Mein Experimental-Gedicht „Isn it“

„Isn it“ besteht zum größten Teil aus Textmaterial, das via Sampling zu einem Gedicht rekombiniert und erweitert wurde. Das Ausgangsmaterial stammt aus der Gebrauchsanweisung eines chinesischen Herstellers für Männer-Funktions-Unterwäsche, das mittels eines (nicht ganz so perfekten) Übersetzerprogramms ins Deutsche übertragen wurde. Später wurde dieses Rohmaterial von mir um diverse Rhythmen, Reime und Zeilenumbrüche erweitert und umgebaut. Als ich den Text später vortragen wollte, merkte ich, dass es weit über das hinausging, was meine Stimmwerkzeuge sprachlich leisten konnten. Also suchte ich nach einer App, die Text in Sprache umwandeln kann. Nach der ersten Soundprobe merkte ich, dass mir die App textlich und sprachlich ganz neue Möglichkeiten bot. Nach einem weiteren app-kompatiblen Umbau des Textes und Herumstellen an diversen Stellschrauben, entstand nun also vorliegender Text „Isn it“. Man sollte aber nicht vergessen, dass es sich immer noch um einen Gebrauchstext für Männer-Funktions-Unterwäsche handelt(!), wenngleich auf einem höheren „Seinslevel“ 😉 Enjoy it!

soundcloud.com/romanisrael/isn-it-lyrik

(Premiere in der Bonusrunde der letzten Sax Royal Lesebühne 11.05.17)

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Ozelot

am Ort wo es
nach Revolte riecht ich bin im
Rotrübensuppenesserland

wo Berg und Nebel anders
ticken u. die letzte Krüppelkiefer
lacht sich eins

und auch die Spione um mich
haben das Weite gesucht u.
ihre Drohnen stummgeschaltet

so einsam einsam nur
klarer grauer Wolkenwald
auch der Wind schweigt seit
ich aus der Biegung kam

Malinchen Eulinchen Kaninchen-Koch
ich bitte dich mir einen
Kuss zu senden mit
bitweise Marmelade drauf und
ich drucke ihn 3-D

und den ersten Alpendorst lege
ich den ich finde dir zu Ehren
zwischen Lippe-ober und Unter-
lippe und pfeife drauf

ich nehme mich beim Wort
ich bin nicht gerne
Ozelot

trashtag Neukölln

img_20160830_194054-2der Himmel ist dunkel vor
Fliegen man hört das Donnern von
S-Bahn-Zügen Herr Sommer liegt
in den letzten Zügen sitzt
auf dem Balkon und baut
sich noch was

Ecke #Sonnenallee they call
it heute Flachbau-Moschee
warten etliche Bärte
bis man ihnen aufmacht

und kleine Bärte
aus Schoki harren
geduldig vor der Vokü
gegenüber die niemand so nennt
denn das ist Hipster-Scheiß

das Leben geht so seinen Gang
eine Flasche Craftbeer fällt
ins Souterrain von oben
springt ein Anorak –
ein Hipster – und schreit:
„Hipster-Pack“
während er armrudernd
Land gewinnt

„Is‘er tot, wa? Wollte stressen?“
die Gaffer sind zu spärlich
bemessen einer hat sogar vergessen
die Polizei zu holen
da liegt er nun war einer
aus Polen oder sonstwo

drüben

der Himmel bewölkt sich
ist dunkel vor Fliegen man hört
das Donnern von S-Bahn-Zügen
Herr Sommer liegt in den letzten
Zügen und will sich noch was
zum Saufen besorgen

was war eigentlich gestern
was heute was morgen?

jedenfalls schreibt er
folgende semidramatische
Txt.-Nachricht an seine
Aysche, Frau Herbst:
_ _ _
bin isch weg
nochmal in Moschee;)
vor unser Haus liegt
Scherbe und totes Reh

MFG, wann kommst du
honey Dein – Fick disch ins Knie – wie Omma
Mr. Sommer

Achtung, Spoiler

img_20160915_174210-2
nahe Brandenburger Tor
direkt über dem ehemaligen FührerBUNKER
wachsen viele Quitten

aromatisch smart u.
zart und so voller Saft dass es
eigentlich schamlos wäre die
starrenden Reih-und-Glied- Touristen
nicht auf einen abscheulichen Irrtum hinzu-
weisen dass

es sich hier nämlich
nicht um Cydonia oblonga
aus der Familie der
Kernobstgewächse sondern
um die viel unbedeutendere
Gattung der Zierquitten
handelt

sie geben im Herbst
ein köstlich schmeckendes
Gelee

und vertragen einen starken
Schnitt sodass die Hecke
schmal gehalten werden kann

die beste Pflanzzeit
ist Anfang Oktober

Blütezeit: April
bis Ende Mai